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Samsung Heavy Industries plant schwimmende KI-Rechenzentren auf hoher See

Überlastete Stromnetze und fehlende Fläche: Der Ausbau von Rechenzentren in den USA und Europa ist ins stocken geraten. Während die KI-Industrie nach Lösungen sucht, präsentiert Samsung Heavy Industries einen Ansatz, der auf den ersten Blick absurd klingt: Schwimmende Rechenzentren mit 50 Megawatt Leistung, konzipiert für große KI-Arbeitslasten.

Die Schiffe erzeugen ihren Strom selbst, mit verflüssigtem Erdgas (LNG) direkt an Bord. Für die Kühlung der Server zapft Samsung das Meer an. Damit ist kein Anschluss ans Festland nötig und die Sorge um knappe Frischwasserressourcen gehört der Vergangenheit an. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, sozusagen.

Von Grund auf neu konstruiert

Samsung würde hierzu keine umgebauten, alten Frachtschiffe verwenden. Die Plattformen (man könnte sie auch Schiffe nennen) entstehen komplett neu, von Grund auf als Rechenzentren gedacht. Das unterscheidet sich von dem, was Wettbewerber wie Nautilus Data Technologies machen: Die betreiben im Port of Stockton zum Beispiel kleine 6,5-Megawatt-Bargen.

Im April 2026 erhielt das Konzept von Samsung Heavy Industries bereits die grundsätzliche Genehmigung vom American Bureau of Shipping und dem Lloyd’s Register, zwei der renommiertesten maritimen Klassifikationsgesellschaften weltweit.

Partnerschaften konkretisieren das Projekt

Anfang Juni dann die nächste Entwicklung: Samsung und Supermicro unterzeichneten eine Vereinbarung über die gemeinsame Entwicklung. Der US-Spezialist für KI-Server soll die Hardware unter maritimen Bedingungen testen: Vibrationen, Neigung, Salzluft und Feuchtigkeit müssen berücksichtigt werden. Server mögen solche Umgebungen normalerweise gar nicht.

Samsung entwickelt währenddessen Technologien für Offshore-Positionierung und Isolierung gegen Salzgehalt und Feuchtigkeit. Supermicro validiert parallel, unter welchen Bedingungen KI-Server auf Flüssen und Meeren zuverlässig laufen. Jeder macht also das, was er am besten kann.

Die Finanzierung ist ebenfalls bereits geklärt. Capital Clean Energy Carriers, ein griechischer Reeder, steigt ein und sucht bereits nach Standorten.

Bild: Samsung Heavy Industries

Warum schwimmende Rechenzentren jetzt relevant werden

Rechenzentren ziehen 2026 schätzungsweise über 300-400 Terawattstunden, etwa 1-2% des weltweiten Stromverbrauchs. Doch bis 2030 könnte sich der Verbrauch sogar auf 600-800 Terrawattstunden verdoppeln, wenn man den Prognosen glauben schenkt.

Virginia zeigt, wohin das führt. Die Grid-Zone dort ist die weltweit größte Konzentration von Rechenzentren. Seit 2019 stieg die Sommer-Spitzenlast um 23%, die Winter-Spitzenlast um 45%. Fast nur wegen der Rechenzentren. Die Infrastruktur kann da also nicht mehr lange mithalten.

Dann ist da noch das Wasser. Große Rechenzentren schlucken extrem viel davon. Auf hoher See ist selbsterklärend ausreichend davon vorhanden. Der große Vorteil dabei ist, dass zur Kühlung kein Frischwasser verwendet werden muss.

Konkurrenz gibt es bereits

Samsung hat aber bereits Gesellschaft. Japans MOL baut mit Karpowership ein 73-Megawatt-Zentrum (als Schiff), geplant für 2027. China ging letzten Monat noch einen Schritt weiter: Eine 24-Megawatt-Anlage vor Shanghai liegt jetzt am Meeresgrund und läuft im Vollbetrieb. Nicht schwimmend, sondern versenkt.

Moody’s schätzt, dass bis 2030 bis zu 3 Billionen Dollar in KI-Rechenzentren fließen. Die fünf größten Tech-Konzerne haben 2025 bereits 448 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur gesteckt. Das ist die größte private Investitionswelle der modernen Wirtschaftsgeschichte, abseits staatlicher Programme.

Ob schwimmende Rechenzentren kommen, ist keine Frage mehr. Die Frage ist viel eher: Wer bringt sie zuerst ins Wasser?

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