TM Roh, Präsident der DX-Sparte bei Samsung, war vor Kurzem in China zu Besuch bei der neuen B16-Produktionslinie von BOE. Die Fabrik ist nagelneu und hat die Produktion schon seit Ende Mai 2026, und damit etwas einen Monat früher als geplant, gestartet.
Dort werden momentan OLED-Panels für Laptops gefertigt. Dass Roh persönlich dort aufschlägt, ist kein Zufall: Samsung könnte seine Display-Lieferkette gerade neu aufstellen.
Laut dem Bericht vom südkoreanischen Nachrichtenportal ZDNet lag der Fokus bei den Gesprächen aber vor allem auf Displays für die Mittelklasse im Bereich Smartphone und TV-Geräte, was viele von uns erstmal aufatmen lassen dürfte.
Erst Ende 2025 haben BOE und Samsung Display einen dreijährigen Patentstreit aus der Welt geschafft. Jetzt will BOE offenbar Nägel mit Köpfen machen und die Partnerschaft ausbauen.
Samsung wiederum soll schon planen, mehr TV-LCD-Panels bei BOE zu ordern, um nicht so stark von Lieferanten wie TCL CSOT abhängig zu sein, bei denen im gleichen Zuge wohl ebenfalls ein Besuch stattgefunden hat.
Kommen BOE-Panels ins Galaxy S27?
Richtig interessant wird es beim Galaxy S27, das wohl Anfang 2027 rauskommen dürfte. Gerüchten zufolge könnten die OLED-Displays fürs Basismodell von BOE stammen. BOE soll seine Panels für 5 Dollar weniger pro Stück anbieten als Samsung Display.
Ein solcher Schritt wäre ein großer Bruch mit einer langjährigen Tradition in der bisher ausschließlich die hauseigenen Displays in den Flaggschiffen der S-Serie verbaut wurden. Bisher ist das allerdings nur ein Gerücht. Ob es wirklich so kommt, werden wir in Kürze sicher wissen.

Chipflation zwingt Samsung zum Umdenken
Normalerweise baut Samsung in seinen Flaggschiffen ausschließlich eigene OLED-Panels ein. Aber die „Chipflation“ macht allen zu schaffen: Speicher und andere Komponenten werden zunehmend teurer.
Um die Margen nicht komplett abschmieren zu lassen, muss Samsung woanders sparen, um die Preise nicht so stark anziehen zu müssen, dass Kunden abspringen.
Sollte der Deal wirklich durchgehen, wäre das ein Novum. Bei günstigeren Modellen, beispielsweise der A-Serie, greift Samsung schon länger auf chinesische Displays zurück. Bestenfalls bleibt es so und die Kooperation mit BOE wird für die Mittelklasse ausgebaut. Das S27 könnte dann sein Display von Samsung behalten.
China holt in der Display-Fertigung massiv auf
Was hier passiert, zeigt auch: China wird in der Display-Industrie immer dominanter. BOE hat um die 9 Milliarden Dollar in die B16-Linie gesteckt, das größte Industrieprojekt in ganz Sichuan. Pro Monat laufen dort 32.000 Display-Einheiten vom Band, unter anderem für ASUS und Acer.
Firmen wie BOE profitieren von riesigen Skaleneffekten und staatlicher Rückendeckung. Dadurch drücken sie die Preise nach unten und das spürt jetzt selbst Samsung. Für die Koreaner hat eine engere BOE-Kooperation aber auch Vorteile jenseits der Kosten. Die Lieferkette wird breiter aufgestellt und damit resistenter gegen Ausfälle.
Unterm Strich sehen wir hier eine große Veränderung im Tech-Sektor. Chinesische Hersteller spielen bei den globalen Top-Marken eine immer größere Rolle, auch bei den Flaggschiffen. Ob es beim S27 dann wirklich BOE-Panels werden? Das steht noch nicht fest. Aber dass Samsung und BOE enger zusammenrücken, scheint ziemlich sicher.




